Gastbeitrag von Linksjugend ['solid] Hamburg über die Kundgebung "Keine Stimme der AfD" am 14.2. :
Auch wenn die Rechtspopulisten der "Alternative für Deutschland" sehr
gut im Rumheulen sind, weil die meisten Stadtteile Hamburgs keinen Bock
auf ihre hetzerischen Wahlplakate hatten - die letzten Monate waren eine
gute Zeit für rechte Rattenfänger. Wenn in Deutschland 10.000
Linke Demonstranten bei Blockupy in Frankfurt 2013 auf die Strasse gehen,
werden sie von der Polizei eingekesselt. Wenn 10.000 PEGIDA-Rassisten
auf die Strasse gehen, überschlagen sich Merkel und Gabriel, wer zuerst
mit den besorgten Bürgern über ihre "berechtigten Ängste" reden darf. Die Bild schlägt wochenlang in die "das wird man wohl noch sagen
dürfen"-Bresche und Kathrin Oertel darf zu Millionen Fernsehzuschauern
reden.
Argumente gegen die Rassisten und die Erklärung, was die
Politik der herrschenden Parteien mit ihrem erstarken zu tun hat, muss
man also wohl selber liefern - das dachte sich auch die Linksjugend['solid] in Hamburg. Deswegen haben wir am 14.2., einen Tag vor der Wahl in
Hamburg, eine Kundgebung unter dem Motto "Keine Stimme für die AFD"
angemeldet. Zwei Wochen lang standen wir mit Flyern vor Schulen, an
U-Bahn-Stationen, vor Veranstaltungen, bei den Gegenprotesten gegen die
NPD-Nazis - und waren selbst etwas überrascht, wie viele Leute uns gesagt
haben "Endlich macht mal jemand etwas gegen die".
150 meist junge
Leute waren auf unserer Kundgebung, auf der sie großartige Reden mit
Argumenten gegen die Rechtspopulisten gehört haben. Josy Neumann von
Linksjugend['solid] hat zum Zusammenhang von Kapitalismus, Kürzungspolitik
und Rassismus geredet, Max Stempel als ver.di-Aktivist über die Flüchtlingsbewegung,
Cansu Özdemir von der LINKEN über den Zusammenhang von Militarismus,
Krieg und Flucht. Ein Vertreter von Lampedusa in Hamburg hat an den
langen Kampf für Flüchtlingsrechte in Hamburg erinnert, und wurde von
der Menge mit lautstarkem "Lampedusa is here to STAY" begrüßt. Martin
Dolzer von der LINKEN hat spontan zu Fluchtursachen geredet.
Sebastian Rave, SAV-Mitglied aus Bremen, der dort vor 2 Wochen eine
10.000 Menschen starken Demo gegen den AFD-Bundesparteitag mitorganisiert
hatte, hat die direkte Ansprache in Richtung AFD gewählt: "Liebe AfD,
vielleicht habt ihr ja eine links-rechts-Schwäche: Aber wer so gegen
Menschen hetzt, die aus beschissenen Verhältnissen fliehen, die sowieso
schon ganz unten sind, wer behauptet, durch die würde das Sozialsystem
ausgehöhlt, der ist völlig zurecht in der rechten Ecke!"

Neben
der Kundgebung wurden die ganze Zeit Flyer mit Argumenten gegen
Rassismus verteilt, aber es gab auch mehr zu tun als zuzuhören. Ob
Sprühaktionen, Schildermalen, Infotische oder das von Klein bis Groß
beliebte "Wirf den Lucke" - die Aktion war geprägt von einer guten,
solidarischen, kämpferischen, aber auch sehr ernsthaften Stimmung.
Immer wieder hat der solid-Genosse Torben Böhm, der die Moderation der
Kundgebung übernommen hat, betont, dass wir uns auf einen langen Kampf
gegen den Rechtspopulismus einstellen müssen, weil wir geglaubt haben,
dass die AFD in die Bürgerscxhaft einziehen wird - einfach weil so viele
WählerInnen aus Enttäuschung von allen regierenden Parteien der letzten
Jahre nicht mehr zur Wahl gehen.
Hier hätten wir gerne nicht
recht behalten. Aber der nächste Tag war nicht nur vom Klima kälter -
auch die Begeisterung für Wahlurnen blieb gemäß unserer Erwartung
nordisch kühl. Kein Wunder bei einem Scholz, der sich den
Lampedusa-Flüchtlingen verweigert und lieber Millionen für Olympia
rausfeuert, einem CDU-Spitzenkandidaten, der so blass war, Wersich an
den in einem Jahr noch erinnert hat einen Preis verdient,
unfreiwillig-satirischen Wahlplakaten der Grünen und dann noch eine FDP,
die nur dadurch gepunktet hat, dass sie ihre Inhalte komplett versteckt
haben - da hatten wir die Rekordniedrigbeteiligung von etwa 56% wohl
erwartet. Und das dann die angepissten Anzugrassisten am ehesten zur
Urne gehen, war uns klar.
Trotzdem war es richtig direkt
dagegenzuhalten, auch um schon jetzt die Leute kennenzulernen, mit denen
wir in den nächsten Monaten der AFD die Hölle heiss machen. Auf dem
letzten Solid-Treffen waren bereits 6 neue Leute, und auf der Kundgebung
waren schon wieder viele neue Gesichter, die auf unsere nächste
Veranstaltung zum Thema "Griechenland: Linker Alternativen statt Rechter
Hetze" mit der griechischen Sozialistin Claire Kates kommen wollen.
(Samstag, den 21.2., 18:00 im Büro der LINKEN Altona, Am Felde 2
https://www.facebook.com/events/862230520508566/)

Die LINKE und Linksjugend['solid] sollten in möglichst vielen Stadtteilen die Leute aufklären, dass die AFD keine
Anti-Establishment-Partei ist, sondern nur altbekannte neoliberale Ideen mit Hetze gegen Arme und Migranten verbindet. Wir wollen die nächsten
Monate daran arbeiten, die Luckes und Kruses den Weg von Ronald Schill
(aus der Bürgerschaft ins Dschungelcamp) zu schicken.
Oder wie es
Sebastian Rave am Ende seiner Rede ausdrückte: "Ihr seid aus dem Sumpf
gekrochen, den die Kürzungsparteien geschaffen haben. Ein stinkender
Sumpf aus Krise, sozialer Ungerechtigkeit, und Entsolidarisierung. Wir werden euch zurück in den Sumpf schicken, mit vereinter Kraft! Und
wir werden dabei nicht stehen bleiben. Wir werden den Sumpf austrocknen,
aus dem ihr kamt, wir kämpfen weiter, für soziale Gerechtigkeit für
alle, und für eine solidarische Welt!"