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Freitag, 22. März 2013

Lufthansa-Warnstreik

Text des Flugblatts, das wir auf dem Streik verteilt hatten:

Don‘t let them SCARE you!

Solidarität mit den streikenden Lufthanseaten!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, das erste eindrucksvolle Zeichen eurer Stärke konnte man bereits gestern sehen, wenn man sich auf der Lufthansa-Seite nach Flügen für heute Vormittag umgesehen hat. An die 790 Flüge wurden gestrichen, noch bevor Einer von Euch die Arbeit niedergelegt hat. Die Flugausfälle hat allein der Lufthansa-Vorstand zu verantworten. Wer so ein dreistes „Angebot“ macht, muss sich nicht wundern, wenn die KollegInnen mal zeigen, wer den Laden am Laufen hält. Der Versuch die Öffentlichkeit gegen den „völlig unnötigen, unangemessenen und unverhältnismäßigen“ Warnstreik (O-Ton: LH-Pressesprecher) aufzubringen, wird scheitern, wenn ihr offensiv in der Öffentlichkeit erklärt, warum ihr diesen Kampf führen müsst. Lasst euch auch nicht von Internet-Kommentaren irre machen, im direkten Gespräch auf der Straße ist das Feedback anders.

Beispielsweise hatten wir es gestern sehr einfach Unterstützungsunterschriften auf einem Transpi in Altona zu sammeln. Sehr viele Menschen waren bereit sich zu solidarisieren. Wir mussten den Leuten nur erklären, dass ihr gegen Lohnkürzungen und Stellenabbau streikt und dass das Transpi mit Unterschriften an Euch auf dem Warnstreik übergeben wird (einen besonders blöden Kommentar gab es aber auch: Ein Mann sagte uns, er sei gegen den Streik der Umwelt zuliebe. Vielleicht glaubt er, dass schlechtbezahlte Lufthanseaten weniger Emissionen freisetzen?).

Die Arbeitgeber versuchen noch nicht im großen Stil Streikbrecher von außen zu organisieren. Das kann sich ändern, wenn sie sich für den Fall einer langen Auseinandersetzung Erfolgsaussichten ausrechnen. Wer 160 Millionen Euro für Entlassungen zurückstellt, hat auch eine Kampfkasse für Arbeitskämpfe. Die nächste Verhandlungsrunde morgen wird mehr Klarheit bringen, ob es Bereitschaft gibt ernsthaft mit ver.di zu verhandeln. Jede Kollegin, jedem Kollegen, die/der nicht mit rauskommt, kann jetzt aber schon klar gemacht werden, dass sie dadurch die Tarifauseinandersetzung nur verlängern.
Auch mit Streikbrechern kann der Lufthansa-Vorstand einen Erzwingungsstreik nicht gewinnen. Das mussten in letzter Zeit auch andere Arbeitgeber und Eigentümer zu spüren bekommen: Unter anderem bei Pflegen & Wohnen, bei den ehemaligen Damp-Kliniken, im Haushaltsbereich der Vereinigung Hamburger Kitas, bei BITMARCK Technik und bei den Luftsicherheitsassistenten am Hamburger Flughafen konnten sich die Beschäftigten durchsetzen. Bei der Firma Neupack streiken die KollegInnen sogar schon seit dem 1. November letzten Jahres für einen Tarifvertrag, auch heute wird bei Neupack gestreikt.

Wir hoffen, dass am Freitag die Gespräche gut verlaufen. Im Gegensatz zu Gerber, der sagt: „Wir dürfen das, was wir durch die vielen Projekte (gemeint ist SCORE) einsparen und zusätzlich erwirtschaften, nicht sofort für Tarifabschlüsse ausgeben.“, finden wir, dass die Arbeit der Lufthansa-Beschäftigten mehr wert ist. Wir finden, dass ein Lohnplus deutlich über der Inflationsrate, die Sicherung aller Arbeitsplätze und Standorte und die unbefristete Übernahme aller Azubis das Mindeste sind. Dafür kann die Dividende auch ruhig die nächsten Jahre gestrichen bleiben.

Mittwoch, 20. März 2013

Solidarität mit den Beschäftigten bei Lufthansa

Morgen ist der erste bundesweite Warnstreik der Lufthansa-Beschäftigten in der Tarifrunde 2013. Die Beschäftigten bei Lufthansa haben allen Grund zum Streiken, denn das Sparprogramm SCORE ist ein Generalangriff auf die Löhne und Arbeitsbedingungen bei der Airline. Das Ziel von SCORE ist den operativen Gewinn auf jährlich 2,3 Milliarden Euro zu steigern. In den letzten Jahren lag dieser bei jeweils „kümmerlichen“ 820 Millionen Euro für 2011 und 524 Millionen Euro für 2012. Die Börsen honorieren die Ankündigungen von SCORE mit Kursteigerungen, warnen aber, dass noch zu wenig Outsourcing stattfindet.

3500 Arbeitsplätze von weltweit 17.000 sollen wegfallen. Das bedeutet für die Region Hamburg zum Beispiel die Schließung des Lufthansa Revenue Service (LRS) in Norderstedt, wo 400 Menschen bislang arbeiten. Die LRS ist für die Ticketabrechnung zuständig und „macht ihre Arbeit gut, aber das kriegen wir im Ausland billiger“ (Aussage des Lufthansa-Vorstands bei der Verkündung der Schließung). In Hamburg sind
zusätzlich ungefähr 700 weitere Arbeitsplätze auf der Streichliste. Dabei wird ein Teil der Gekündigten gleich neue Arbeitsangebote von Tochterunternehmen wie Germanwings und Leiharbeitsfirmen der Lufthansa bekommen und darf dann in Zukunft die gleiche Arbeit für weniger Lohn weitermachen.

Das bisherige Angebot der Arbeitgeberseite in der Tarifrunde sieht vor: 24 Monate Nullrunde bei den Löhnen (mit Inflation mindestens 3,4% Lohnverlust), Verlängerung der Wochenarbeitszeit um eine Stunde ohne Lohnausgleich, dadurch Abbau von zusätzlich 307 Stellen, Gehaltsstufensteigerungen werden ausgesetzt, Weihnachts- und Urlaubsgeld werden nur noch variabel, je nach Einschätzung der Geschäftslage vom Vorstand, gezahlt.

Europaweit findet bei den Airlines eine Anpassung der Löhne und Arbeitsbedingungen nach unten statt. So versuchen British Airways-Iberia und Air France-KLM ähnliche Sparprogramme gegen den Widerstand ihrer Belegschaften durchzudrücken. Das ganze Geschäftsmodell von Billig-Anbietern wie Ryanair und easyJet basiert auf Lohndumping. Bei Ryanair sind beispielsweise 50% der Piloten und Flugbegleiter über eine Zeitarbeitsfirma angestellt. Für LeiharbeiterInnen gibt es bei Ryanair unter anderem 20 Tage Jahresurlaub, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und eine Kündigung für Streikbeteiligung oder gewerkschaftliche Organisierung.

Ver.di fordert 5,2% mehr Lohn bei einem Jahr Laufzeit, die Sicherung aller Arbeitsplätze und die unbefristete Übernahme aller Azubis (bei der Lufthansa-Technik wird zum Beispiel nur eine Minderheit übernommen, die restlichen Azubis bekommen Stellenangebote von der Lufthansa-eigenen Leiharbeitsfirma).

Wir rufen dazu auf sich mit den Lufthanseaten zu solidarisieren, auch weil sie indirekt die Lohn- und Arbeitsbedingungen von uns allen verteidigen. Die Spirale abwärts für unsere Lebensverhältnisse, die sich in der Reallohnentwicklung der letzten 20 Jahre wiederspiegelt, kann gestoppt werden durch kämpferische Gewerkschaften und eine Linkspartei die Widerstand organisiert, statt den Sozialabbauparteien SPD und Grüne hinterher zu laufen.