Mittwoch, 20. März 2013

Solidarität mit den Beschäftigten bei Lufthansa

Morgen ist der erste bundesweite Warnstreik der Lufthansa-Beschäftigten in der Tarifrunde 2013. Die Beschäftigten bei Lufthansa haben allen Grund zum Streiken, denn das Sparprogramm SCORE ist ein Generalangriff auf die Löhne und Arbeitsbedingungen bei der Airline. Das Ziel von SCORE ist den operativen Gewinn auf jährlich 2,3 Milliarden Euro zu steigern. In den letzten Jahren lag dieser bei jeweils „kümmerlichen“ 820 Millionen Euro für 2011 und 524 Millionen Euro für 2012. Die Börsen honorieren die Ankündigungen von SCORE mit Kursteigerungen, warnen aber, dass noch zu wenig Outsourcing stattfindet.

3500 Arbeitsplätze von weltweit 17.000 sollen wegfallen. Das bedeutet für die Region Hamburg zum Beispiel die Schließung des Lufthansa Revenue Service (LRS) in Norderstedt, wo 400 Menschen bislang arbeiten. Die LRS ist für die Ticketabrechnung zuständig und „macht ihre Arbeit gut, aber das kriegen wir im Ausland billiger“ (Aussage des Lufthansa-Vorstands bei der Verkündung der Schließung). In Hamburg sind
zusätzlich ungefähr 700 weitere Arbeitsplätze auf der Streichliste. Dabei wird ein Teil der Gekündigten gleich neue Arbeitsangebote von Tochterunternehmen wie Germanwings und Leiharbeitsfirmen der Lufthansa bekommen und darf dann in Zukunft die gleiche Arbeit für weniger Lohn weitermachen.

Das bisherige Angebot der Arbeitgeberseite in der Tarifrunde sieht vor: 24 Monate Nullrunde bei den Löhnen (mit Inflation mindestens 3,4% Lohnverlust), Verlängerung der Wochenarbeitszeit um eine Stunde ohne Lohnausgleich, dadurch Abbau von zusätzlich 307 Stellen, Gehaltsstufensteigerungen werden ausgesetzt, Weihnachts- und Urlaubsgeld werden nur noch variabel, je nach Einschätzung der Geschäftslage vom Vorstand, gezahlt.

Europaweit findet bei den Airlines eine Anpassung der Löhne und Arbeitsbedingungen nach unten statt. So versuchen British Airways-Iberia und Air France-KLM ähnliche Sparprogramme gegen den Widerstand ihrer Belegschaften durchzudrücken. Das ganze Geschäftsmodell von Billig-Anbietern wie Ryanair und easyJet basiert auf Lohndumping. Bei Ryanair sind beispielsweise 50% der Piloten und Flugbegleiter über eine Zeitarbeitsfirma angestellt. Für LeiharbeiterInnen gibt es bei Ryanair unter anderem 20 Tage Jahresurlaub, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und eine Kündigung für Streikbeteiligung oder gewerkschaftliche Organisierung.

Ver.di fordert 5,2% mehr Lohn bei einem Jahr Laufzeit, die Sicherung aller Arbeitsplätze und die unbefristete Übernahme aller Azubis (bei der Lufthansa-Technik wird zum Beispiel nur eine Minderheit übernommen, die restlichen Azubis bekommen Stellenangebote von der Lufthansa-eigenen Leiharbeitsfirma).

Wir rufen dazu auf sich mit den Lufthanseaten zu solidarisieren, auch weil sie indirekt die Lohn- und Arbeitsbedingungen von uns allen verteidigen. Die Spirale abwärts für unsere Lebensverhältnisse, die sich in der Reallohnentwicklung der letzten 20 Jahre wiederspiegelt, kann gestoppt werden durch kämpferische Gewerkschaften und eine Linkspartei die Widerstand organisiert, statt den Sozialabbauparteien SPD und Grüne hinterher zu laufen.

Montag, 18. März 2013

Bericht von der Frauentag-Demonstration


Enough is Enough


Am 08.03.2013, dem 102. Weltfrauentag, fanden auf der ganzen Welt und auch in Hamburg eine Demonstration gegen die Unterdrückung und Ausbeutung der Frau statt. Die Auftaktkundgebung wurde um 15.30 Uhr auf dem Hachmannplatz (vorm Hauptbahnhof) abgehalten. Der Protestzug (aus 400 Demonstraten bestehend), der in den ersten Reihen von Frauen angeführt wurde, zog über die Mönckebergstraße durch die Innenstadt und die Route endete auf dem Gänsemarkt um ca. 17.30 Uhr.

Die Demonstration gipfelte in einem gemeinsamen Tanz als Ausdruck des Protestes gegen die herrschende Unterdrückung von Frauen. Unter den Teilnehmern waren auch die Linke und kurdische Frauenorganisationen vertreten. Letztere haben mit Aktionen erneut auf die Ermordung der kurdischen Aktivistinnen Sakine Cansiz, Fidan Dogan und Leyla Soylemez in Paris im Januar aufmerksam gemacht. In den Ansprachen wurden Gewalt und Sexismus gegen Frauen, sowie alltägliche Benachteiligungen in Deutschland und international angeprangert. Auch bezog man sich immer wieder auf die spezielle Situation der doppelten Unterdrückung der lohnabhängigen Frauen im Kapitalismus.

Einen Artikel (deutsch) zum Weltfrauentag findest du hier:
http://www.sozialismus.info/2013/03/internationaler-frauentag-ein-jahrhundert-von-kaempfen/
Das Statement unserer internationalen Organisation CWI (englisch):
http://www.socialistworld.net/doc/6196

Samstag, 9. März 2013

Internationaler Frauentag 2013

Text des Flyers, den wir am 8.3. auf der Frauentags-Demonstration verteilt haben:

Enough is enough!

Sexismus und Gewalt gegen Frauen entschlossen bekämpfen!


Die Affäre um Rainer Brüderle hat eine Sexismusdebatte in Deutschland ausgelöst. Vielen Menschen ist bewusst geworden, dass Erniedrigung von Frauen durch sexistisches Verhalten und dumme Sprüche, sexuelle Belästigung und Gewalt täglich stattfinden. Zehntausende Frauen haben ihre Erfahrungen auf #ichhabnichtangezeit und #Aufschrei getwittert.

Sexismus ist nicht wegen Brüderle politisch!


In den bürgerlichen Medien wurde prompt dagegen gesteuert. „Mach doch deine Bluse zu“ schrieben Rechtspopulisten, man stritt um hinterhältige Motive, welche die Stern Redakteurin Laura Himmelreich zur Veröffentlichung ihrer Vorwürfe gegen Brüderle bewegt haben könnten.

Dabei ist auch ohne das ekelhafte Verhalten eines Liberalen klar, dass Sexismus kein „privates“ Problem ist und auch nie war. Wir werden strukturell aus einer von Männern dominierten Öffentlichkeit gedrängt. Es ist nicht nur so, dass wir in der „normalen“ Arbeitswelt etwa 23% weniger Lohn für die gleiche Tätigkeit erhalten, sowie oft durch Zeitarbeit und Teilzeit schlechter gestellt und in Gewerkschaften unterrepräsentiert sind. Auch sind wir täglich mit Erfahrungen von Sexismus und Gewalt konfrontiert (etwa jede vierte Frau wird Opfer häuslicher Gewalt). Viele Probleme, die wir haben, werden gesellschaftlich mit Verweis auf ihre „Privatheit“ völlig ignoriert. Bei jedem dritten Mädchen zwischen 14 und 17 gibt es Hinweise auf eine Essstörung. Es leiden etwa 10 % mehr Frauen unter psychischen Störungen als Männer. All das wird behandelt wie Zufall, scheint mit Politik nichts zu tun zu haben. Der Kampf gegen Sexismus ist ein politischer Kampf!

Unsere Lebenssituation steht im gesellschaftlichen Zusammenhang. Die Auswirkungen der Krise, vor allem Arbeitslosigkeit und Verarmung, werden Frauen früh und verstärkt treffen. Und es gibt jemanden, der Interesse an unserer Unterdrückung hat. Wenn 2,5 Stunden Hausarbeit täglich von Frauen „umsonst“ zur Verfügung gestellt werden, bedeutet das, dass Unternehmer weder durch Lohn noch durch direkte Bezahlung für Küchendienste, Wohnungsreinigung und Kinderbetreuung ihrer Angestellten bezahlen müssen. Frauen aus „normalen“ Arbeitsverhältnissen herauszuhalten bedeutet für Unternehmer, Arbeiterinnen als Lohndrücker und Billigkräfte einsetzen zu können.

Von Sexismus profitiert nur eine Minderheit!


Denn obwohl sie in vieler Hinsicht besser gestellt sind, sind es nicht alle Männer, die in unserer Gesellschaft Profite und Besitz anreichern. Die reichsten 10% in Deutschland besitzen über 60% des Gesamtvermögens. Die reichsten Familien sind die Besitzer von Aldi, Otto, Oetker & Co. Allein sie können Kapital anreichern und die Lohnarbeit anderer ausbeuten. Gleichzeitig haben etwa zwei Drittel der Bevölkerung der BRD, Männer wie Frauen, überhaupt keine Geldreserven. Ob wir Kämpfe gewinnen können, hängt von der Stärke des gemeinsamen Widerstandes von Arbeiterinnen und Arbeitern ab. In Bewegungen und Streiks zeigt sich immer wieder: Sexismus dient den Bossen, um uns zu spalten. Nur wenn wir Schulter an Schulter kämpfen, haben wir die Kraft zu gewinnen. Nur so können wir gemeinsam eine politische Kultur des Widerstands schaffen, die „Who wants to fuck my girlfriend“ auf Tele 5 und den Astronauten von Axe unmöglich macht.

Mittwoch, 27. Februar 2013

Warnstreik im öffentlichen Dienst

Text unseres Flyers, der am 26.02 auf dem Warnstreik der Länderbeschäftigten verteilt wurde:

Lohnsteigerung JA! Personalabbau NEIN!


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Eure Forderungen in der Tarifrunde 2013 sind vollkommen berechtigt! Es kann nicht sein, dass Landesbeschäftigte für die gleiche Tätigkeit weniger verdienen als die KollegInnen, die beim Bund oder den Kommunen angestellt sind. Das Gleiche gilt für die bundesweit unterschiedlich entlohnten angestellten Lehrkräfte und natürlich auch für die Theaterbeschäftigten. Die 6,5% sind das Mindeste, auch um die Preissteigerungen der letzten Jahre auszugleichen.

Der Altersdurchschnitt im öffentlichen Dienst steigt, während Azubis nicht übernommen werden. Fast 70% aller neuen Verträge sind nur befristet und frei werdende Stellen in Hamburg werden teilweise jahrelang nicht neu besetzt. Das ist Personalabbau durch die Hintertür. Deswegen ist die Forderung nach der unbefristeten Übernahme aller Azubis genau richtig.

Ihr wisst alle, dass es in den letzten Jahrzehnten in den meisten Bereichen im öffentlichen Dienst zu erheblicher Arbeitsverdichtung und zu Stellenabbau gekommen ist. Viele Kolleginnen und Kollegen haben dadurch gesundheitliche Probleme bekommen. Die Frage nach den jährlichen Urlaubstagen ist deswegen besonders wichtig um zumindest an einer Stelle dagegen zu halten.

Wir brauchen aber unter den Kolleginnen und Kollegen auch eine grundlegende Diskussion wie sich die Arbeitsbedingungen verbessern lassen. Niemand sollte „krank“ durch seine Arbeit werden. An der Charité in Berlin führt ver.di Tarifverhandlungen unter anderem für einen verbindlichen Personalschlüssel der sich an den Bedürfnissen der Beschäftigten orientiert. So ein bedarfsorientierter Personalschlüssel, könnte ein effektiver Hebel sein, die Mißstände zu beseitigen.

Im Augenblick haben Rückstandsmeldungen meist keine die Situation verbessernde Wirkung. Um das zu ändern könnten die Personalräte mit den einfachen Angestellten für die verschiedenen Bereiche Gesundheitskommissionen bilden. Diese wären dazu da eine effektivere Kontrolle über die Arbeitsbedingungen durchzusetzen und Forderungen gegen Überlastung und Gesundheitsgefährdung zu entwickeln.

Die Arbeitgeber haben in den bisherigen Verhandlungsrunden kein Angebot gemacht. Wie ihr wisst, hat aber Olaf Scholz schon angekündigt, für jedes Prozent über 1,5% Lohnsteigerung zusätzliche Stellen zu streichen. Die Überschuldung der öffentlichen Haushalte lasse keinen Spielraum für Lohnerhöhungen zu. Die Schuldenbremse müsse eingehalten werden. Die reichsten 1% - deren Milliarden durch Euro- und Banken-Rettung gerettet wurden – sollen geschont bleiben und der öffentliche Dienst soll kaputt gespart werden.

Ausgefallene Arbeitsstunden sind das Argument auf das die Arbeitgeber am ehesten hören. Macht euren Kolleginnen und Kollegen, die heute fehlen, das deutlich. Passt auf, dass Scholz nach einem Tarifabschluss sein Versprechen nicht wahr macht. Eine entschlossene Kampagne gegen Personalabbau im öffentlichen Dienst wird notwendig sein. Statt Personalabbau und noch schlechteren Arbeitsbedingungen sollen die Reichen für die Staatsschulden aufkommen. Ein Ansatzpunkt dafür wird am 13. April der dezentrale Aktionstag des Umfairteilen-Bündnisses sein, das sich für eine Reichensteuer einsetzt.

Im letzten Jahr gab es einigen Protest gegen die Haushaltskürzungen. Ver.di (Fachbereich 6) hatte gemeinsam mit dem Netzwerk für offene Kinder- und Jugendarbeit und mehreren Sozialverbänden das Rotstift-Bündnis gegen die Kürzungen gegründet und unter anderem eine Demo mit 3000 Menschen organisiert. In Wandsbek waren die meisten Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit im November eine Woche im Streik. Das Rotstift-Bündnis plant für den Herbst wieder Proteste gegen die Umsetzung der nächsten Kürzungen. Ein gemeinsamer Protest von den KollegInnen aus dem öffentlichen Dienst und den KollegInnen der offenen Kinder- und Jugendarbeit, wäre ein starkes Signal an den Hamburger Senat: Wir verdienen mehr! Kürzt Euch doch selber weg!

Sonntag, 10. Februar 2013

One Billion Rising - am 14.2. Gewalt an Frauen und Sexismus gemeinsam bekämpfen

Fotos vom Mobilisierungsinfotisch für den internationalen Aktionstag "One billion rising". Am 14.12. aktiv werden und Gewalt an Frauen und Sexismus gemeinsam bekämpfen.


Gewalt gegen Frauen und Sexismus entschlossen bekämpfen!

Die Affäre Rainer Brüderle hat eine Sexismusdebatte in Deutschland ausgelöst. Das ist erst einmal gut. Vielen Menschen ist bewusst geworden, dass Erniedrigung von Frauen durch sexistische Sprüche aber auch sexuelle Belästigung und Gewalt tagtäglich stattfinden. Jede vierte Frau hat beispielsweise Erfahrungen mit häuslicher Gewalt. 60.000 Frauen haben ihre eigenen Erfahrungen unter #Aufschrei getwittert.

Die Talkshowdebatten zu Sexismus lieferten Machos wie Kachelmann-Anwalt Ralf Höcker, Wolfgang Kubicki und anderen ein Forum für ihren Schwachsinn.

Da gab es dann grandiose Vorschläge, wie das Frauen einfach lernen müssen, schlagfertig verbal zu reagieren und sich dann umzudrehen und zu gehen.
Großartiger Tip! Z.B. im Falle häuslicher Gewalt können sich viele Frauen aufgrund der ökonomischen Abhängigkeit von ihrem Mann nicht einfach umdrehen und aus dem Haus spazieren.

Bei der Kampagne #ichhabnichtangezeigt berichteten in kurzer Zeit über 1100 Frauen weshalb sie sexuellen Missbrauch nicht angezeigt haben. Unter Anderem wurden genau die Gründe genannt, die nun auch bei der „Brüderle-Debatte“ in abgewandelter Form immer wieder auftauchen: Frauen haben selber Schuld, wer sexy sein will, muss auch mit den Konsequenzen leben usw.

Richtiger wäre es zu sagen, dass viele Frauen mit der Konsequenz leben müssen, dass sexistische Übergriffe für den Täter meist konsequenzenlos bleiben. Christina Frank von ver.di Baden-Württemberg hat sich z.B. mit etlichen Fällen von sexueller Belästigung von männlichen Vorgesetzten und Kollegen am Arbeitsplatz beschäftigt und versucht Frauen zu helfen. Die Bilanz: In lediglich zwei von diesen Fällen hatte sexistisches Verhalten von Männern für diese Konsequenzen. In allen anderen Fällen hatten die Frauen das Nachsehen.

Der Versuch den Spieß umzudrehen und die Frauen selbst verantwortlich zu machen verschleiert die eigentlichen Ursachen von Sexismus. Verbale und physische Demütigungen treffen nicht zufällig vor allem Frauen und stehen im Zusammenhang mit der strukturellen ökonomischen Schlechterstellung. Die Benachteiligung von Frauen ist tief in dieser Gesellschaft verankert. Das Patriarchat, also verkürzt gesagt die Vorherrschaft des Mannes, ist vor langer Zeit während der Entwicklung der ersten Klassengesellschaften entstanden. Verbesserungen der Lage von Frauen konnten wir nur dadurch erreichen, dass wir uns organisieren und gemeinsam kämpfen.

Strukturelle Ursachen
Gewalt gegen Frauen ist ein strukturelles Problem. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Die Gefahr für Frauen zwischen 15 und 44 Jahren, durch Männer verstümmelt oder getötet zu werden, ist größer als die Gefahr durch Krebs, Malaria, Krieg und Verkehrsunfälle zusammen gerechnet. Verbale und physische Demütigungen von Frauen, aber auch frauenverachtende Pornographie und sexistische Darstellung von Frauen in Werbung und Medien sind ein Spiegelbild ihrer sozialen Diskriminierung in einer Klassengesellschaft wie dem Kapitalismus. Im Kapitalismus profitieren Unternehmer (meist männlich) davon, dass Frauen in Deutschland 23 Prozent weniger als Männer verdienen. Sie profitieren davon, dass vor allem Frauen zu Hause Familienangehörige pflegen und kostenlos Kinder erziehen. Die Regierung unterstützt dieses Interesse durch Ehegattensplitting, Betreuungsgeld und die Ausweitung des Niedriglohnsektors, in dem vor allem Frauen beschäftigt sind. Der Kapitalismus basiert auf Ungleichheit und Ausbeutung zu Gunsten einer Minderheit von Kapitalbesitzern und Vermögenden. Ihr Versuch, die Mehrheit in Alt und Jung, deutsch und nicht-deutsch, Frau und Mann zu spalten, ist alt. Das System, in dem wir leben, stützt sich auf rückständige Ideen, die vor vielen Tausend Jahren entstanden sind. Diese machen auch vor persönlichen Beziehungen nicht Halt. Ein wirksamer Kampf gegen Gewalt gegen Frauen und sexuelle Belästigung sollte einher gehen mit Forderungen nach gleichem Lohn für gleichwertige Arbeit, nach kostenloser Kinderbetreuung und einem Ende des Niedriglohnsektors. Es ist vor allem die Aufgabe der Gewerkschaften und der Linkspartei als einziger Partei, welche die Interessen von abhängig Beschäftigten und Erwerbslosen vertritt, hier aktiv zu werden. Gleichzeitig ist es von großer Bedeutung, heute täglich gegen jegliche Form von sexueller Belästigung und Gewalt gegen Frauen vorzugehen und Frauen den Rücken zu stärken, sich zur Wehr zu setzen.

Gemeinsame Interessen
Die neoliberale Offensive, Lohndumping, prekäre Arbeitsverhältnisse und die Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen treffen Frauen im Besonderen. Doch auch ein Großteil der Männer ist davon betroffen.

Frauen und Männer, die nicht zu den oberen zehn Prozent der Gesellschaft gehören, haben gemeinsame Interessen. Kostenlose flächendeckende Kinderbetreuung zum Beispiel, die Einführung gleicher Löhne für gleichwertige Arbeit und die Einführung eines Mindestlohns verbessern die Arbeits- und Kampfbedingungen von erwerbstätigen Männern und Frauen. Im gemeinsamen Einstehen für eine Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen entsteht Achtung und Respekt und ein Bewusstsein, dass nur gemeinsam Ausbeutung und Ungleichbehandlung beendet werden kann. So kann die Grundlage geschaffen werden, sich zusammen gegen ein System zur Wehr zu setzen, dass die Diskriminierung von Frauen fördert oder billigend in Kauf nimmt.

Am internationalen Aktionstag gegen Gewalt gegen Frauen 'One billion rising' am 14. Februar und am internationalen Frauentag am 8. März werden viele Frauen und auch Männer auf die Straße gehen, um ein Zeichen gegen Sexismus zu setzen. Aktiv werden: Du möchtest aktiv werden gegen Sexismus und seine Ursachen und hast Lust dich an Diskussionen und Aktionen zu beteiligen? Melde dich bei uns!

Dienstag, 5. Februar 2013

NEIN zum Krieg in Mali

Anfang des Jahres kündigte der französische Präsident Hollande die Intervention in den Konflikt im Norden Malis an. Die offizielle Begründung ist der Machtgewinn islamistischer Organisationen in der Region. Die USA unterstützt die Truppen Frankreichs und der ECOWAS (westafrikanische Staaten-gemeinschaft) durch Treibstoff. Deutschland will die Kriegstreiber mit Geld und Ausrüstung im Wert von 20 Millionen Dollar unterstützen, darunter Lastwagen und Flugzeuge verschiedener Typen. Die westlichen Großmächte beteiligen sich damit am ersten internationalen Konflikt in Nordwestafrika seit der Unabhängigkeit 1960, vorerst sind bis zu 7700 afrikanische Soldaten im Einsatz.

Doch das ist kein „Zurückdrängen der Islamisten“ der malischen Bevölkerung zuliebe. Es geht um einen internationalen Interessenkonflikt um die Ausbeutung Malis, das über enorme Vorkommen an Gold, Uran, Eisen, Kupfer und anderen Rohstoffen verfügt. Aus der Region Mali/Niger importiert die Neokolonialmacht Frankreich mehr als ein Drittel des Urans für seine AKWs. Auch China und Deutschland haben die Investitionen in Mali erhöht. Die USA planen eine regionale Drohnenbasis, die auch in Ländern wie Afghanistan und Pakistan zur Abschlachtung der Bevölkerung genutzt werden.

Egal wer im Wettlauf um Malis Rohstoffe gewinnt –der Bevölkerung wird er nicht nützen. Mali ist eins der ärmsten Länder der Welt. Der Norden Malis ist ein soziales Katastrophengebiet, dessen Bevölkerung der Gewaltherrschaft sich bekämpfender Mächte hilflos ausgeliefert ist. Weder kann es Sympathien mit islamistischen Organisationen wie den Ansar ad-Din geben, die die Bevölkerung terrorisieren, noch kann den internationalen Großmächten und der malischen Zentralregierung bei der Lösung des Konflikts irgendein Vertrauen geschenkt werden. Nachdem die alte Regierung Malis durch einen Militärputsch abgelöst wurde, gab es im Norden immer wieder Übergriffe des malischen Militärs auf Tuareg, darunter Gewaltexzesse bis zu Exekutionen, die mit dem Vorrücken der durch das französische Militär gestärkten malischen Truppen neue Höhepunkte erreichen. Die Anweisung an französische Soldaten, Vertreter der Presse nicht in die umkämpften Gebiete zu lassen, lässt das Schlimmste befürchten.

Gegen die Missstände im Norden Malis hilft kein Kriegseinsatz. Dieser stürzt die Region weiter in Armut und hat massenweise Flüchtlinge zur Folge. Notwendig ist eine demokratische Selbstorganisation der Arbeiterklasse in Mali, die in der Lage wäre, sich durch Enteignung ausbeuterischer Großunternehmen von der Armut zu befreien. Auch Korruption und das Treiben reaktionärer Kräfte könnten so eigenständig bekämpft werden. Der Kampf um soziale Gleichheit in Mali ist Voraussetzung für die Sicherstellung der Rechte ethnischer Minderheiten und für das Entkommen aus Ausbeutung und Massenarmut.

Gegen jede Unterstützung des Militäreinsatzes in Mali und des dortigen Militärregimes!
Rechtsgleichheit und Selbstbestimmung für die Tuareg und alle Völker der Sahel-Zone!
IWF und Weltbank raus aus Afrika – für Schuldenstreichung und Reparationszahlungen für die Ausbeutung im Kolonialismus!
Für eine Welt ohne Kapitalismus, Ausbeutung und Krieg!
Produzieren für die Bedürfnisse der Menschen überall!