Freitag, 15. Mai 2015

Veranstaltung 7.5. Solidarity is more than Charity!

Solidarity is more than Charity!

Zu deutsch: “Solidarität ist mehr als Wohltätigkeit!“
Warum nennen wir unsere Veranstaltung so?

In den letzten Wochen wurden öffentlich viele Krokodilstränen über die tausende tote Männer, Frauen und Kinder geweint, die beim Versuch, über das Mittelmeer nach Europa zu fliehen, ertrunken sind oder gerade ertrinken.

Gleichzeitig werden zwei Meinungen gegeneinander gestellt:
Wir müssen helfen, wir können uns das leisten“ heißt es auf der einen,
Wir können nicht die ganze Welt aufnehmen, das können wir uns nicht leisten!“ tönt es auf der anderen Seite.

Die Frage soll also angeblich sein: „Wollen wir mit diesen Unglücklichen teilen, oder sind wir selbst zu arm dran?“

Ich frage mich dabei aber zuerst: „Wer sind zum Geier bitte WIR?“- Und als logische Konsequenz “wer sind DIE ANDEREN?“

Bei uns in Deutschland besitzen laut dem DIW 1% der Bevölkerung 1/3 des gesamten Vermögens, die reichsten 10% verfügen über 70% des Vermögens, die „ärmsten“ 90% teilen sich dann die restlichen 30%.

Damit liegt Deutschland im Trend:
1 % der Weltbevölkerung hält etwa 40 % des weltweiten Vermögens.
Auf die reichsten 10 % entfallen etwa 85 % des Vermögens, während sich die ärmsten 50 % der Weltbevölkerung weniger als 1 % des weltweiten Vermögens teilen.

Fraglos können wir uns ziemlich viel leisten, wenn wir zu dem glücklichen 1% gehören und ziemlich wenig, wenn wir zu den ärmeren 90% gehören.
Wenn wir zu den reichsten 1 oder 10% gehören, ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns eines Tages mit 500 anderen Leuten auf einem absaufenden Seelenverkäufer vor der Küste Lampedusas wiederfinden, eher gering. Wir müssen wahrscheinlich auch nicht damit rechnen, dass wir obdachlos werden, weil wir unsere Miete nicht mehr bezahlen können, oder uns darüber Sorgen machen, dass wir arbeitslos werden, weil der Betrieb in dem wir arbeiten einen Standort gefunden hat, indem die Löhne noch niedriger sind.

Wir haben dann wahrscheinlich auch keine Angst vor Leuten aus anderen Ländern, denn wir treffen uns regelmäßig mit Millionären aus dem internationalen Jetset in Luxushotels in St. Tropez.

Unsere Sorgen beziehen sich dann eher darauf, dass unsere Aktienpakete von den Rüstungskonzernen Rheinmetall (BRD) oder der Tactical Missiles Cooperation (Russisch) nicht genug Dividende abwerfen, weil zu wenige Kriege geführt werden.

Wir fürchten dann Mindestlöhne, Gewerkschaften und Vermögenssteuern, ganz abgesehen von Massenprotesten und Enteignungen.

Wir setzen deshalb unsere Lobbyisten darauf an, unsere wirtschaftlichen Interessen gegen die, die nicht zu unserem elitären Club gehören, durchzusetzen- oder wir kaufen uns gleich einen Diktator mit genügend wirtschaftlichem Weitblick, das zu tun.
Da wir eine verschwindend kleine Minderheit sind, kann das nur funktionieren, wenn die anderen sich nicht gegen uns verbünden, sonders sich untereinander streiten.

Wir sind zwar kosmopolitisch, aber den Pöbel haben wir deshalb trotzdem gerne rassistisch, ausländerfeindlich, sexistisch oder von religiösem Hass auf andere verblendet.

Wenn Ihr Euch in diesem WIR nicht wiederfindet, solltet ihr misstrauisch werden, wenn gefragt wird, ob Ihr Euch Flüchtlingsrettung leisten könnt.

Die Brüder David und Charles Koch, Platz 19 und 20 der Forbes-Liste der reichsten Männer der Welt, könnten mit ihren zusammen 25 Mrd. Euro Privatvermögen die gesamte Operation Mare Nostrum 230 Jahre lang allein finanzieren. –Kein Problem.

Die Eigentümer großer Aktienpakete und Firmen sind gleichzeitig die, die mit Waffenlieferungen, der Ausbeutung von Billigarbeit und Rohstoffen in der ex-kolonialen Welt statte Gewinne machen und so von den Krisen profitieren, die Menschen dazu bringt, aus ihrer Heimat zu flüchten.

Sie sind aber mit der Frage nach dem Leistenkönnen nicht gemeint.

Gemeint sind- weltweit- die normalen Arbeiterinnen, Arbeitslosen und ihre Familien, die den größten Teil aller Staatsausgaben finanzieren, weil sie wie z. B. in Deutschland allein durch Lohn- und Umsatzsteuer und Solidaritätszuschlag die Hälfte des gesamten Steueraufkommens tragen (aber wie oben erklärt, zusammen weniger als 30% der Vermögens besitzen).

Diese Leute sind das WIR, von dem alle reden.
Uns wird eingeredet, die staatlichen Mittel würden eben nur in der zurzeit verfügbaren Höhe zur Verfügung stehen. Wenn wir etwas davon für die bessere Versorgung von Flüchtlingen aufwenden wollen, müssten wir eben in anderen Bereichen- z.B. bei der Bildung oder bei Sozialleistungen- verzichten.
Die ganz großen Zyniker schlagen vor, wir könnten ja privat einen oder mehrer Flüchtlinge aufnehmen und versorgen, wenn es uns so schwer fällt, ihnen bei Ersaufen zuzuschauen.

Kurz gesagt: Wir können uns für oder gegen Charitiy- also Almosenverteilung- entscheiden.

Eine gerechte Gesellschaft basiert aber nicht auf Almosen, sondern darauf, dass alle Menschen gleiche Rechte haben.

Auf Almosen angewiesen zu sein- selbst wenn sie staatlich verwaltet werden- ist nicht nur würdelos, sondern zwingt Menschen auch in Abhängigkeit und Rechtlosigkeit.

Fragt z.B. eure Groß- und Urgroßmütter, die noch eine Genehmigung ihres Ehemannes brauchten, um Arbeiten zu gehen, wie leicht es Frauen damals fiel, einen prügelnden Familienernährer zu verlassen oder auch nur gegen Misshandlungen zu protestieren…

Rechtlosigkeit und Abhängigkeit öffnen Ausbeutung und Missbrauch Tür und Tor.
  • Wenn Peter A. die Möglichkeit hat, Bürgerkriegsflüchtling Aisha B. aus „Charitiy“ bei sich aufzunehmen, solange er für ihren Unterhalt aufkommt, kann das ihr Leben retten und zu einer wunderbaren Freundschaft führen. Wenn er allerdings auf die Idee kommt, sie jeden Freitagabend im Keller zu vergewaltigen, hat sie keine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren, ohne befürchten zu müssen, dass sie zurück in einen Bürgerkrieg abgeschoben wird.
  • Wenn die Firma Saubermann GmbH Papierlose einstellt, um Hamburger Hotels putzen zu lassen, kann sie sich darauf verlassen, dass das Wort „Mindestlohn“ in ihrer Finanzplanung keine Rolle spielt…
  • Wenn der Papierlose Musa C. weder eine Arbeitserlaubnis bekommt, noch Sozialleistungen beziehen kann, bleibt ihm möglicherweise nichts anderes übrig, als für einen Hintermann, der sich nicht die Finger schmutzig machen muss, Drogen zu verkaufen oder Einbrüche auf Bestellung zu begehen.
  • Wenn Familie D. weiß, dass sie bei „längerfristiger Obdachlosigkeit“ gem. § 55 II Nr. 5 AufenthG ausgewiesen werden kann, wird sie bereit sein, für das hinterletzte Drecksloch eine horrende Miete zu bezahlen. …
Obwohl persönliche Hilfsbereitschaft im Einzelfall natürlich helfen kann, ist „Charity“ – Wohltätigkeit- kein Ansatz, um diese Probleme zu lösen.

  • Wir- also normale Leute, die ihren Lebensunterhalt durch Arbeit verdienen, oder dies zumindest versuchen müssen- haben keine Vor- sondern nur Nachteile von der Ausbeutung und Abhängigkeit, der Papierlose und Flüchtlinge ausgesetzt sind. Wir müssen auch dann, wenn wir Papiere haben, mit denen konkurrieren, die schwarz arbeiten müssen usw.
  • Auch unsere Freiheit wird eingeschränkt, wenn Polizei und Staat die Überwachung verstärken, um Papierlose zu jagen etc.
Wir haben daher allen Grund, keine Almosen, sondern unsere Solidarität anzubieten.

Im Gegensatz zu „Charity“ setzt Solidarität voraus, dass man verstanden hat, dass man innerhalb der Gesellschaft einen gemeinsamen Gegner und gemeinsame Interessen hat. – Dass die Mittel, die diese Gegner gegen eine andere Person oder eine andere Gruppe einsetzt, jederzeit auch gegen einen selbst eingesetzt werden können. – Deshalb solidarisiere ich mich mit einer Kollegin, die ungerechtfertigt entlassen wird, selbst wenn ich sie persönlich nicht ausstehen kann. Ich protestiere gegen ein Demonstrationsverbot gegen eine andere linke Gruppe, auch wenn ich deren Programm falsch finde. Ich unterstütze den Streit der GDL, auch wenn ich zu spät nach Hause komme.

Im Bereich Migration bedeutet Solidarität vor allem, gleiche Rechte für alle zu fordern und mit den jeweils betroffenen dafür zu kämpfen. Das setzt immer voraus, sich mit den Herrschenden anzulegen.

Das kann heißen, gegen die Abschiebung eines Mitschülers zu protestieren und ihn mit allen Mittel – auch durch verstecken etc. - zu schützen.
Es kann bedeuten, Solidaritätsstreiks mit illegal Beschäftigten zu organisieren.
Sich als Beschäftige im Jugendamt zu weigern, Illegale zu melden. Für Bleiberecht zu demonstrieren. Wohnraum zu besetzen und nicht nach Papieren zu fragen, wenn jemand einzieht. Gemeinsam mit Betroffenen Aufklärungsarbeit zu machen, im Berieb oder an der Uni einzugreifen, wenn irgendwo rassistische Sprüche geklopft werden. Sich bei rassistischen Polizeikontrollen einzumischen und auch, sich Nazis auf der Straße i n den Weg zu stellen.

Es bedeutet aber z.B. auch, das Verbot von Waffenexporten zu fordern und wenn möglich- auch durch Streiks und Blockaden- Waffentransporte zu verhindern.
Gewerkschaftliche Proteste und fortschrittliche Bewegungen weltweit zu unterstützen.




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